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Was erwarten wir Georgier von Deutschland und der EU?


Zuerst ein Blick zurück in die Geschichte:


Die Grundlagen des heutigen Staates Georgien haben ihre Wurzeln im mittelalterlichen Königreich Georgien.

Abchasien war ein Fürstentum innerhalb dieses Königreichs mit Fürsten georgischer Herkunft. Bei der Sowjetisierung durch die rote Armee wurde 1921 Abchasien als autonome Republik innerhalb Georgiens eingerichtet. Dabei wurde die Region Gali und das swanetische Kodori-Tal hinzugefügt.

Südossetien trat noch später in die Geschichte ein. Erst 1842 gründete der russische Zar im annektierten Georgien den „Kreis Ossetien“ innerhalb des Fürstentums Samatschablo. 1921 legte Stalin das „Autonome Gebiet Südossetien“ fest, dreimal so groß wie der frühere „Kreis Ossetien“, nun auch georgische Dörfer einschließend.

1921 wurde Georgien als „Demokratische Republik Georgien“ in den Völkerbund aufgenommen. Mit der Auflösung der Sowjetunion 1991 ist Georgien als neuer Staat hervorgegangen, und zwar in den Grenzen der „Georgischen Sozialistischen Sowjetrepublik“. Seitdem ist Georgien auch Mitglied der Vereinten Nationen und erkennt ihre Charta an. Die junge Demokratie vollzog unter der Regierung Saakaschwili eine Neuausrichtung hin zu Europa und NATO, da Georgien geschichtlich und kulturell Europa zugehörig ist.


Deshalb wollen wir, dass auch in Georgien internationale und europäische Rechte gelten und seine territoriale Integrität geachtet wird.


In erster Linie Respekt gegenüber menschlichem Leben !

Die Bevölkerung Georgiens soll sich in jedem Gebiet des Landes sicher fühlen. Es gab Gebiete in Südossetien und Abchasien, die vor dem Augustkrieg ausschließlich von der georgischen Bevölkerung bewohnt waren. Diese Menschen sind jetzt entweder auf der Flucht oder werden durch die russische Armee unterdrückt.


Man kann auch nicht von Menschenrechten und Demokratie reden, solange sich die Mehrheit der Bevölkerung auf der Flucht befindet. Deshalb können die letzten Wahlen in Abchasien und Südossetien, die nur von Russland akzeptiert wurden, keineswegs als demokratisch bezeichnet werden.


Gleichheit für alle Einwohner Georgiens soll gewährleistet sein !

Dazu ist es dringend erforderlich, den Bewegungsspielraum für die EU-Beobachter zu erweitern und ihnen ein Polizeimandat zu erteilen. Russische, so genannte Friedenstruppen hatten bis jetzt in Georgien eine eher destabilisierende als eine stabilisierende Rolle gespielt. Hingegen in den Gebieten, die vor dem Augustkrieg unter georgischer Kontrolle waren, wurde allen Menschen, auch Osseten, Sicherheit gewährt.

Nur zum Vergleich. In Südossetien leben 60.000 Osseten, im Kernland von Georgien leben über 100.000 Osseten. Diese Osseten sind gut integriert und hatten nie ein Interesse, nach Südossetien zu ziehen und einen russischen Pass zu beantragen. Sie sind auch keinen Repressalien ausgesetzt gewesen.


Wir wollen dauerhaften Frieden !

Georgien alleine kann der militärischen Übermacht Moskaus und seiner Propagandamaschinerie nichts entgegensetzen. Wir wollen, dass unsere Zivilbevölkerung nicht mehr im eigenen Land durch russische Luftangriffe getötet wird. Dieser Krieg war keineswegs „begründet und juristisch legitim“, wie Herr Putin kommentierte.

Warum Russland für Georgien kein neutraler Friedensgarant sein kann, liegt ganz einfach daran, dass dieses Land in Georgien seine eigenen Interessen verfolgt. Neutrale Vermittler werden uns eine Möglichkeit geben, mit Abchasen und Osseten nach einer friedlichen Lösung des Konfliktes zu suchen. Die Sicherheit für diese Zukunft kann nur über eine Mitgliedschaft im Beitrittsprogramm zur NATO erreicht werden. Der bisherige Status hatte offensichtlich keine abschreckende Wirkung.


Wir wollen Freiheit !

Wir wollen vor der Unberechenbarkeit Russlands keine Angst mehr haben. Die Sowjetunion ist zusammengebrochen. Die Länder haben sich von Russland gelöst und nun selbst zu entscheiden, welche politische Richtung Vorrang hat. Die Aussage, dass Russland den Einfluss auf unser Land nicht verlieren möchte, ist für uns nicht akzeptabel. Wir stehen zur Demokratie und der Selbstbestimmung Georgiens.


Wir wollen Einheit !

Wir wollen keine Spaltung unseres Landes. Und Russland treibt die Spaltung immer wieder voran. Die Europäische Union und die NATO können mitwirken, indem sie konkrete Pläne erarbeiten, unterstützen und durchsetzen helfen.


Europa muss eine ganz neue und wichtige Rolle in Georgien einnehmen, nicht nur um die Unabhängigkeit der eigenen Energieversorgung in Zukunft sicherzustellen. Es gilt, die internationalen und europäischen Werte gegenüber den neoimperialistischen Ambitionen Moskaus tatkräftig zu verteidigen.


Oktober 2008





Freiheit, Freiheit!


Der 26. Mai und die Geschichte der georgischen Unabhängigkeit


Mariam Mtschedlidse

Dieser Artikel wurde gefunden in: http://www.kaukasische-post.de/Kp23/politik.html- Nr. 23 - Mai / Juni 2000 - 6. Jahrgang


Der Freiheitskampf des georgischen Volkes hat eine jahrhundertelange Geschichte. Niemals fanden sich die Georgier mit einer Fremdherrschaft ab. Viel Kraft und Material wurde in diesem Kampf geopfert, doch er trug auch zur Bildung des nationalen Charakters der Menschen bei.


Schon Anfang des 12.Jh.v.Chr. existierte auf dem Territorium des heutigen Georgien eine staatliche Einheit namens “Diaochi”; das berichten die schriftlichen Zeugnisse der alten Urartäer. Bei den Assyrern heißt diese staatliche Einheit “Daiane”. Orientalische Quellen erwähnen die großen staatsähnlichen Verbindungen der Stämme im südwestlichen Teil des heutigen Georgiens. Die alten Griechen nannten später die Bewohner dieser Gegend “Taochi”. Diesen Name  trägt heute eine Gegend im Süden Georgiens.

Der zweite große Staat im 11.-8.Jh.v.Chr. an der süd-östlichen Küste des Schwarzen Meeres war die Kolchis, eine Monarchie. Von der Stärke dieses Landes zeugt die Sage der Argonauten. Der Staat Diaochi im 8. Jh.v.Chr. von den Urartäern zerstört wurde, gegen Ende des 8.Jh.v.Chr. vernichten Stämme aus dem Norden die Kolchis. Auf diesen Territorien entstanden später zwei georgische Königreiche: “Egrissi” in Westgeorgien und “Iberien” in Ostgeorgien. Egrissi pflegte enge Beziehungen mit Griechenland. Im 6.Jh.v.Chr. bezahlte man dort mit lokalem Silbergeld, von Wissenschaftlern “kolchuri Tetri” genannt, übersetzt “kolchische Silbermünze”. Das  beweist die Existenz eines großen und starken Staates. Das Königreich Iberien in Ostgeorgien, bzw. in Kartli, entstand im 4.-3.Jh.v.Chr unter der Parnawas-Dynastie. Die Blütezeit dieses Staates lag im 3.Jh.v.Chr. Seine Grenzen erstreckten sich im Süden bis zum Fluß Araks, dem heutigen Grenzfluß zwischen Armenien und dem Iran, nach Norden bis zum Kaukasus. Im 3.Jh.v.Chr. vereinigten sich die beiden Königreiche; damit bildete sich die Nation des georgischen Volkes. Seitdem lagen die Georgier fast ständig im Krieg mit ihren Feinden.

Im 2.Jh.v.Chr. überfiel der römische Feldherr Pompeus Kartli. Im 4.Jh.n.Chr. wurde das Christentum in Georgien verbreitet, und Georgien kämpfte gegen den Iran. In den letzten Jahren des 4.Jh. wurde Tbilissi, damals noch nicht Hauptstadt Georgiens, von einem Pitiachschi, einem Vertreter des iranischen Herrschers, verwaltet. Im 5.Jh. führte Wachtang Gorgassali, der König Georgiens, Krieg gegen die iranischen Truppen. In seiner Regierungszeit erhielt die georgische Kirche von Byzanz die Autokephalie, sie unterstand nunmehr nur noch dem georgischen König.

Schon im 4.Jh. war Tbilissi als persische Festungsstadt bekannt. Doch der Legende nach ist die Gründung Tbilissis als Hauptstadt mit König Wachtang Gorgassali verbunden. Nachdem er die Iraner besiegt und Tbilissi befreit hatte, richtete er wegen der strategisch wichtigen Lage seine Aufmerksamkeit auf diese Stadt. Wachtang Gorgassali begann, hier einen Königspalast und eine Festung zu bauen. Dieses Vorhaben konnte er nicht beenden, doch seine Erben setzten es fort. Sie verlegten nach seinem Willen die Hauptstadt von Mzcheta nach Tbilissi. Im 7.Jh. tauchten die Araber an den Grenzen Georgiens auf und überfielen das Land. Erst nach drei Jahren konnten die Georgier sie besiegen und ihre Unabhängigkeit wiedererlangen. Auch dieser Friede währte nicht lange. Im 11.Jh. versuchten die Seldschuken, Georgien einzunehmen. David IV. der Erbauer besiegte sie, befreite damit sein Land und schuf einen mächtigen Staat. Das 12. Jh. wird in der georgischen Geschichte als das goldene Zeitalter bezeichnet. Das Land erblühte politisch und kulturell unter König David und seiner Enkelin, Königin Tamar. David der Erbauer gründete unter anderem die Akademie von Gelati. Auch die Felsenstadt Wardsia entstand zu dieser Zeit.

Die Georgier festigten ihre Kultur, Literatur, Politik und Wirtschaft. Doch auch diesem Zeitabschnitt wurde bald ein Ende gesetzt.  Im 18.Jh. kämpften die Georgier einerseits im Osten gegen den Iran und im Südwesten gegen das Osmanische Reich. In den 60er Jahren des 18.Jh. gewann die Rolle Rußlands in Europa an Wichtigkeit. Da Rußland und Georgien den christlichen Glauben teilten, beschloß König Erekle II. von Georgien, mit Rußland ein Bündnis gegen die andersgläubigen Feinde zu schließen. Am 24. Juli 1783 unterzeichnete er in der russischen Festung Georgijewsk den entsprechenden Vertrag. Damit stellte sich das Königreich Kartli-Kachetien, d.h. Ostgeorgien, unter den Schutz des russischen Imperiums. Am 18. Januar 1801 befahl der Zar von Rußland, Paul I., dieses Königreich seinem Reich anzugliedern. Auch Westgeorgien war für Rußland sehr wichtig, damit gewann Rußland Zugang zum Schwarzen Meer. Nachdem die russische Armee in Georgien einmarschierte und russische Strukturen eingeführt wurden, brachen in Georgien viele Aufstände gegen den Zarismus aus. In der Nationalen Befreiungsbewegung des 19. Jh. ist der Aufstand von 1832, die Verschwörung, am bedeutungsvollsten. 30 Jahre lang war die georgische Gesellschaft überzeugt, die Wiederherstellung der staatlichen Unabhängigkeit sei obligatorisch. Doch dieser Aufstand wurde verraten, und die Aufständischen wurden verhaftet.

Die Nationale Befreiungsbewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jh. war die Fortsetzung des historischen Kampfes der georgischen Nation. Doch sie hatte ihren eigenen Grund und Charakter. Rußland hatte den Vertrag von Georgijewski grob verletzt und den ganzen georgischen Staat annektiert. In der Zeit, in der Georgien in Beziehung mit Rußland stand, hatte es seine Probleme nur teilweise lösen können. Die türkischen und  iranischen Eindringlinge wurden zurückgeschlagen, doch die Unabhängigkeit des Staates war verloren. Die georgische Kultur wollte sich an Europa orientieren, aber der einzige Weg dahin führte über Rußland. Damit stand Georgien vor der Gefahr, seine eigene Kultur zu verlieren, denn Rußland wollte seine Kultur auch in Georgien verbreiten. Die nationale Befreiungsbewegung begann fast zeitgleich mit der Annektion. Sie fand ihren Ausdruck in Aufständen, so zum Beispiel im Jahr 1802 in Kacheti, 1804 in Mtiuleti im Gebirge, und 1812 wieder in Kacheti. 80 Jahre später, nach dem Tod Zar Alexander II., begann Rußland, die annektierten Völker zu unterdrücken und zu russifizieren. Die Veröffentlichung georgischer Zeitungen und Bücher wurde sehr stark zensiert und war fast unmöglich. In den Schulen war die georgische Sprache auch in den Pausen so gut wie verboten. Der Name “Georgien” wurde durch den Begriff  “Gouvernement von Tbilissi und Kutaissi” ersetzt. Das Hauptziel der Nationalen Befreiungsbewegung Georgiens Ende des 19. und Anfang 20. Jh. war die Wiederherstellung des Nationalstaates. In dieser Zeit lag Rußland im Krieg mit der Türkei. So bot sich für Georgien eine günstige Gelegenheit, seine Freiheit wiederzuerlangen.

Am 26. Mai 1918 versammelte sich der Seim, ein Rat vergleichbar mit einem Parlament, zu seiner letzten Sitzung im damaligen Gelben Saal im Palast des Stadthalters in Tbilissi und verkündete die Freiheit des georgischen Staates. Am Abend bestätigte Noe Jordania, der erste Präsident Georgiens, nach einem kleinen Vorwort die Befreiung Georgiens. Damit wurde Georgien eine unabhängige demokratische Republik. Dann wurde das Dokument auf Russisch gelesen. Anschliessend verkündete Grigol Rzchiladse vom Balkon des Palastes der wartetenden Menge diese Erklärung. Dieser Tag war für das georgische Volk ein großer Feiertag. Die Aktivität der nationalen Befreiungsbewegung Georgiens wurde so nach 117 Jahren erfolgreich beendet.  Doch leider dauerte diese Unabhängigkeit nur drei Jahre lang. Am 25. Februar 1921 wurde Georgien wieder von Rußland annektiert. Aus der demokratischen Republik Georgien wurde die Sowjetrepublik Georgien, und im Land wurde das kommunistische Regime verbreitet, das fast 70 Jahre andauerte.

Gegen Ende des 20.Jh. war die Kraft des Sowjetstaates erschöpft. Man spürte, daß das kommunistische System nicht mehr zeitgemäß war. Die alte Partei konnte den Staat nicht mehr länger leiten. Ab April 1985 nahm die Partei unter ihrem neuen Generalsekretär M. S. Gorbatschow  den Kurs der Umstellung.

Das gab den in der Sowjetunion vereinigten Ländern die Möglichkeit, für ihre Freiheit zu kämpfen. Auch das georgische Volk nutzte diese Zeit. Im Jahr 1988 gewann die Freiheitsbewegung der georgischen Jugend unter der Leitung Merab Kostawas, Swiad Gamsachurdias, Gia Tschanturias und anderer zusehends an Entschlossenheit und Stärke, und am 4. April 1988 fand in Tbilissi die erste von vielen Protestversammlungen statt: Eine Gruppe von Jugendlichen trat vor dem Regierungspalast in Hungerstreik. Sie forderten die Souveränität Georgiens.

Die sowjetische Regierung war entsetzt über diese Freiheitsbestrebungen. Am 7. Februar wurden solche Versammlungen und Aktionen gesetzlich verboten, sie sollten durch das Militär verhindert

 

Expräsident Georgiens Swiad Gamsachurdia /
Foto: Archiv

werden. Das geschah dann in der Nacht des 9. Aprils vor dem Regierungspalast auf der Rustawelistraße. Männer, Frauen, Kinder und Alte wurden von bewaffneten Mitgliedern der Armee geschlagen und mit Giftgas zurückgetrieben; 20 Menschen starben und Tausende wurden verletzt und vergiftet. Dieses Ereigniss verdeutlichte noch einmal die Ungerechtigkeit des sowjetischen Systems und seinen diktatorischen, despotischen Charakter. Doch diese Nacht stärkte auch die Einigkeit des georgischen Volkes, für die nationale Souveränität zu kämpfen. Ab dem 9. April veränderten sich die Widerstände, sie wurden intensiver und besser organisiert. Am 28. Oktober 1990 fanden die ersten demokratischen Wahlen statt - zum ersten Mal in der Sowjetunion. Bei diesen Wahlen gewann die Partei “mrgwali magida”, “Runder Tisch”. In Folge dieser Wahlen wurde der Deputierte Korpus des Obersten Gesetzgebenden Organs gegründet. Am 14. November 1990 begann die erste Tagung des Obersten Gesetzgebenden Organs mit dem Segen des Katholikos-Patriarchen von Georgien, Ilia II. Die Deputierten gaben dem Land einen neuen Namen: ‘Georgische Republik’. Doch besiegelt wurde die Unabhängigkeit des demokratischen Georgiens erst am 9.April 1991 um 11:30 Uhr. In Erinnerung an die Tragödie des Freiheitskampfes bat Swiad Gamsachurdia, der Vorsitzende des Obersten Rates, an diesem Tag die ganze Welt, diese Unabhängigkeit anzuerkennen. Doch gefeiert wird die Freiheit des Staates weiterhin am 26. Mai. Eigentlich wird dieser Tag mit einer Militärparade gefeiert, doch dieses Jahr mußte dieses Ereignis leider ausfallen – die Regierung konnte kein Geld dafür zur Verfügung stellen.

MERAB KOSTAVA, einer der führenden Personen im Freiheitskampf, wurde selber auch an einem 26. Mai geboren. Schon als Schüler begann er, für die Freiheit seines Landes zu kämpfen. 1956 wurde er mit 17 Jahren zum ersten Mal verhaftet, doch das konnte seine kämpferische Seele nicht brechen. In den 70er Jahren, der starren Zeit des kommunistischen Systems, als alle sich nur um ihr eigenes Wohlergehen kümmerten, waren Merab Kostava und seine Freunde in die Sorgen Georgiens vertieft. Sie gründeten die Helsinki-Gruppe in Georgien. Als die sowjetische Regierung begann, solche Gruppen aufzulösen und ihre Mitglieder zu verhaften, wurden Merab Kostava und Swiad Gamsachurdia als erste in der ganzen Sowjetunion verhaftet. Kostawa verbrachte zehn Jahre im Gefängnis. In dieser Zeit beging Irakli, sein Sohn, Selbsstmord. Aber auch diese Tragödie konnte ihn nicht dazu bewegen aufzugeben. Im Gegenteil, er war immer der erste; in der Nacht des 9. Aprils stand er in der ersten Reihe, er war einer der ersten, der den Bürgerkrieg in Abchasien offiziell beenden wollte, er fuhr als erster nach Südgeorgien, um mit den Meskhen, einer ethnischen Minderheit, die dortige schwierige Situation zu ordnen. Auf dem Heimweg von Südgeorgien starb Merab Kostava am 13. Oktober 1989 bei einem Autounfall auf dem Rikotipaß. Das war für ganz Georgien eine große Tragödie. Das Volk begleitete mit Tränen in den Augen und gesenkten Fahnen  in den Händen seinen Sarg hinauf zum Pantheon auf dem Berg Mtazminda, wo georgische Dichter, Wissenschaftler, Politiker, Schriftsteller und andere Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Das Ziel seines Lebens, die Freiheit seines Vaterlandes, konnte Merab Kostava nicht mehr erleben. Doch offiziel ist dieses Ziel seit dem April 1991 erreicht, Georgien ist eine souveräne Republik.