Pfalz



"Nix wie ab in die Pfalz" oder "wo Kohl, Thatcher, Mitterand und Gorbatschow speisten"



Seine beschwerliche Reise nach Italien hätte sich Goethe sparen können. In der Pfalz wäre viel von dem zu entdecken gewesen, was ihn an Italien so faszinierte.
Seine beschwerliche Reise nach Italien hätte sich Goethe sparen können. In der Pfalz wäre viel von dem zu entdecken gewesen, was ihn an Italien so faszinierte. Ein Landstrich, in dem die Zitronenbäume blühen, Mandeln, Feigen, Kiwis, Esskastanien und hervorragende Weine gedeihen.
Die Pfalz ist vom Klima verwöhnt. Das wirkt sich auf die Qualität der hier produzierten Weine ebenso aus wie auf die Lebenslust seiner Bewohner.
Von Frühlingsanfang bis in den späten Herbst ist die Pfalz ein einzig Land der Weinfeste. Es sind Feste mit Tradition, Folklore, originellem Programm und kuriosen Namen wie Saubrunnenfest, Rebblütenfest und Purzelmarkt.
Was den Bayern ihr Oktoberfest, ist den Pfälzern ihr Dürkheimer Wurstmarkt, das größte Weinfest der Welt. Der Riesenrummel mit Karussells, Schießbuden und Weingärten findet in diesem Jahr zum 592. Mal statt (12.-15. und 19.-22. September 2008).


Sollte dennoch einmal kein Fest stattfinden, dann feiert „der Pfälzer“ trotzdem. Getreu dem Wahlspruch „Ohne Worscht kän Dorscht" (Ohne Wurst kein Durst) wird in den Weinlokalen der Dreieinigkeit aus „Weck, Worscht und Woi“ gefrönt. Dann kommt traditionell meist das auf den Tisch, was auch Pfalz-Besucher schätzen: grobe Bratwürste, Saumagen, Leberknödel, „Handkees mit Mussik“ (Handkäse mit Zwiebeln, Kümmel, Essig, Öl) und „Flääschknepp“ (Fleischklöße). Legendär sind „Gebreedelde“, die Pfälzer Bratkartoffeln, die mit Speck oder Leberwurst zur kompletten Mahlzeit werden. Die besten ihrer Art soll es im Deidesheimer „Kirchenstüb’l“ geben.
Bei den Getränken geht es um Wein, Wein und noch mal Wein. Das Maß aller Dinge ist der Pfälzer Schoppen, eine Art Ur-Maß mit einem Fassungsvermögen von einem halben Liter (!). Dieser Glashumpen namens „Duppe Schoppe“ liegt dank seiner runden Noppen („Duppe“) gut in der Hand. Nur gut, dass die traditionelle Pfälzer Küche mit all ihren Deftigkeiten eine solide Grundlage bietet.

Wer in Deidesheim das sehenswerte Rathaus bewundert hat, fällt geradezu über den „Deidesheimer Hof“, wo einstmals Kanzler Helmut Kohl seine Politkollegen Thatcher, Mitterrand, Gorbatschow und gar den König von Spanien zur Teller-Diplomatie auf Pfälzer Art lud. Alle bekamen Saumagen vorgesetzt, der es dank Kohl zu weltweiter Prominenz gebracht hat. Wer sich vom Namen abschrecken lässt, dem entgeht „fleischliche Wolllust auf der Zunge“, sagt der Volksmund. Denn im klassischen Saumagen steckt nur Gutes. Schweinefleisch, Majoran, Muskat und Kartoffeln werden in eine Pelle - den geputzten Naturschweinemagen – gepackt, gegart, in daumendicken Scheiben gebraten und mit Sauerkraut serviert. Viele Pfälzer – auch Kohl - schwören auf Saumagen vom Metzger Hambel in Wachenheim. Jeden Freitag produziert der Metzgermeister gut 100 Stück mit einem Gewicht von bis zu 3,5 Kilo.

Dabei haben Pfälzer Gastronomen mehr auf der Pfanne als Saumagen. Die lokale Top-Gastronomie kann sich mit bekannten Protagonisten wie Karl-Emil Kuntz (Krone in Herxheim-Hayna) oder Martin Scharff (Wartenberger Mühle) schmücken. Sie haben neben in ihren Küchen die Haute Cuisine mit lokalen Produkten bereichert und die traditionellen Gerichte aufgepeppt und neu interpretiert. Im Scharff’schen Bio-Garten, nördlich von Kaiserslautern, wachsen knapp 100 Kräuter, die den Sternekoch zu Kreationen wie Rosmarinkaramell oder Schildampfer zum Hauskaninchen inspirieren.
Auf Kräuterwissen setzt auch die Winzerin Regina Menger-Krug, deren Sekte zu den Besten gehören und auch an Bord der Lufthansa ausgeschenkt werden.



Nach Expertenmeinung ist die Pfalz die derzeit spannendste Weinbauregion Deutschlands. Vor gut einem Jahrzehnt wurde es in dem einst als „Schoppenwein-Gebiet“ verspotteten Gebiet lebendig, haben immer mehr Winzer das Potenzial von Boden und Klima, das „terroir“, erkannt. Inzwischen haben Pfälzer Spitzengewächse längst wieder den Anschluss an die Topweine der Welt gefunden. Allen vor an der Riesling, die Rebsorte der Pfalz mit einem Anteil von 21 Prozent der Anbaufläche. Auch Weiß-, Grau- und Spätburgunder gedeihen vorzüglich. Immer wichtiger werden Rotweine mit knapp 20 Prozent Anteil an den über 100 Millionen Rebstöcken. Als pfälzische Erfolgsgeschichte gilt der saftige, tiefdunkle Dornfelder, der den Portugieser als gängigste Rotweinsorte abgelöst hat. Auch fruchtig-würzige Burgundersorten sind im Kommen, doch vor allem die Barrique-Rotweine aus der Pfalz belegen bei internationalen Verkostungen vorderste Plätze. Zudem soll der gute alte Ruländer wieder aufleben. Die Ruland Akademie Speyer will Winzer und Erzeuger dazu bewegen, statt "Grauburgunder" wieder den traditionellen Namen Ruländer zu verwenden.
Wer heute vom Pfälzer Wein spricht, kommt um den Namen Markus Schneider aus Ellerstadt nicht herum. Der als "Junger Wilder" gestartete Schneider ist Winzer der ersten Generation. Seine Rotweine heißen "Einzelstück", "Black Print" oder "Steinsatz". Ihre Qualität trug dem Winzer Titel wie „Newcomer des Jahres“ und „Entdeckung des Jahres“ ein. Schneider glaubt ans Terroir, fühlt sich jedoch insgesamt mehr „dem jeweiligen Bodentyp als einer Einzellage verpflichtet“. Bei ihm gilt das Prinzip "weniger ist mehr". Handlese, schonende Pressung, Maischegärung, lange Standzeiten und Ausbau ohne Eingriffe von außen im Holzfass sind bei seinen Rotweinen Standard. Die Weißen bleiben bis kurz vor der Füllung auf der Feinhefe, um die Struktur und die Aromenbildung weiter zu fördern.
Bei den Übernachtungsmöglichkeiten haben Gäste die Wahl unter unzähligen privaten Ferienunterkünften, Pensionen, Gasthöfen und Weingütern. Die Großhotellerie hat sich in der Pfalz noch nicht recht breit machen können, mit einer Ausnahme: das Steigenberger Deidesheim inmitten der Weinlage "Paradiesgarten".


Empfehlenswerte Adressen
Wiedemanns Weinhotel, Einlaubstr. 64-66, 67487 St. Martin, Tel. 06323/944 30, www.wiedemanns-weinhotel.com


Steigenberger Hotel Deidesheim, Am Paradiesgarten 1, 67146 Deidesheim, Tel. 06326/97 00, www.deidesheim.steigenberger.de



Hotel Schloss Edesheim, Luitpoldstrasse 9, 67483 Edesheim, Tel. 06323/942 40, www.schloss-edesheim.de


Weingut Markus Schneider, Georg-Fitz-Straße 12, 67158 Ellerstadt, Tel. 06237/72 88, www.weingutschneider.de


Metzgerei Hambel, Hintergasse 1, 67157 Wachenheim, Tel. 06322/46 13, www.metzgerei-hambel.de


Nützliche Web-Adressen

www.pfalz.de

www.pfalz-touristik.de

www.deutsche-weinstrasse.de

www.suedlicheweinstrasse.de

www.pfalzwein.de/

www.vdp-pfalz.de

www.ecovin-pfalz.de

www.geniessen-online.de/restl_pf.htm

www.tafelrunde-landrestaurants.de

www.duerkheimer-wurstmarkt.de
www.deidesheim.steigenberger.de

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